Weil die Zuschauer von Ort zu Ort mitgehen müssen, sich zu den Rhythmen der Musik automatisch mitbewegen, zwischendurch auch eingeladen werden, sich an den Händen zu fassen und Linien zu bilden, löst sich nicht nur der Raum auf, sondern mehr noch die Trennung zwischen Spielenden und Zuschauenden. Für den Augenblick verschwimmen die Grenzen, um beim Schlussbeifall wieder existent zu werden. Eingebunden in diesen Bewegungskontext sind nicht nur die Verse von Wislawa Szymborska oder „No manifesto“ von Yvonne Rainer, sondern auch die „Klage der Ariadne“ von Friedrich Nietzsche, umfunktioniert in die „Klage des Künstlers“. Seltsam, wie der hohe pathetische Ton dieser Lyrik korrespondiert mit den Vorgängen im Raum, als ob jeglicher Kunst – und die HipHop-Kultur ist eine! – dieser Pathos inne wohnte.
„Nothing twice“ ist dabei wie das Eintauchen in eine andere Welt, ein Genießen des Moments, darin ganz und gar theatralisch. Erik Kaiel und Cédric Pintarelli haben den Raum geschaffen, Luca Plaumann mit dem Ensemble die Kostüme. Neben den schon genannten Breakdancern und dem Grafftisprayer tragen Alexander Fischer, Ivana Nikolic und Klaus Steinbacher, wie die anderen drei auch von starker Präsenz, zum Gelingen dieser Inszenierung bei – auch wenn kein Lack gesprüht wird, was in geschlossenen Räumen nicht geht. Ein spannender Auftakt für das Münchner Festival „Thing Big!“, das internationale Tanz-, Musiktheater- und Performance-Inszenierungen für ein junges Publikum zeigt.
