Immer wieder öffnen sich Türen in den grauen Wänden. In an die spätviktorianische Epoche angelehnten Kostümen durchmessen die Sänger den Raum flüssig ihn in exakten Bewegungsarrangements, die der Aufführung einen Zug ins Dekorative, Unverbindliche, zu Beginn gar ins Betuliche geben, statt das Stück ins Heute weiterzudenken, oder ihm einen Parabelcharakter zuzuerkennen. Visser beschränkt sich bewusst aufs Erzählen und Vermitteln.
Das Ereignis des Abends ist das achtköpfige Sängerensemble. Wo wenig Requisiten, wenig spektakuläre Bühnenaktionen sind, ist alles Zusammenspiel und –klang, was hier auf extrem hohem Niveau geleistet wird. Brittens kleinteilig gebaute Ensemblekunst war selten so sinnlich und differenziert zu hören wie hier. Jeder ein Einzelkönner: Daniel Wagner als Militärschüler mit hinreißend geschmeidigem Tenor, Rhys Jenkins als Lehrer mit selten üppigem Bariton, Elizabeth Magnor als seine Frau mit grandios plastischer Diktion. Dazu die böse Familie: Francis van Broekhuizens urgewaltige Tante, Mark Hammans gefährlich schlanker Großvater, Alexandra Schoenys abstoßend larmoyante Kameradenwitwe. Dazu Almerija Delic als Verlobte Kate mit staunenswert großformatigem und warmem, sehr differenziert eingesetztem Mezzosopran. Schließlich Jan Friedrich Eggers: ein absolut glaubhafter Darsteller des schwierigen, aber sympathischen Titelhelden, großartig besonders in der hochexpressiven Deklamation.
