Im Textbuch bindet Küspert die Szenen in konkrete Orte ein und versieht sie mit genauen Jahreszahlen. Darüber hinaus gibt es lange Beschreibungen der Katastrophenszenarien und dokumentarisch wirkende Collagen. Für eine Regie kein leichtes Unterfangen, diese Textsammlung in eine szenische Form zu bringen. In ihrer Inszenierung hat Katrin Plötner sich zusammen mit ihrer Bühnenbildnerin Anneliese Neudecker für eine fast leere Bühne entschieden, in der alles aus dem Spiel des Ensembles heraus entstehen muss. Nach vorne hin rückt eine Art durchsichtiger Gazevorhang das Geschehen in eine traumhafte (oder traumatische?) Ferne, nach hinten ist der Raum durch eine schwarze Wand mit zwei Durchbrüchen abgeschlossen. Eine weitere Wand wird von den Spielern von rechts nach links bewegt. Bei den Katastrophenszenarien weht weißer und schwarzer , manchmal auch blauer Plastikmüll über die Bühne.
In der gestrafften Textfassung von Plötner wird das Geschehen entertainerhaft geformt. Drei Schauspieler (Sina Reiß, Patrick O. Beck und Michael Haake) in goldenen Jacken plaudern über ein Standmikro fast beiläufig, schauen zu, wie Angus, von Ulrike Requadt gespielt, seinen Sohn (Jacob Keller) fertig macht. Im Folgenden werden Rollen schnell gewechselt, das macht dieses Ensemble grandios. Konsequent wird auch das Entertainment durchgehalten, aber mit einer Konsequenz: Die brutalen Bilder, die beim Lesen entstanden, wollen sich beim Zuschauen nicht einstellen. Vielleicht rächt sich denn da die Entscheidung, die Macht der Medien, selbst die brutalsten Kriege in Unterhaltung umzuwandeln, auf der Bühne thematisch zu machen?
