In der Pause erklingen Geigentöne. Ein Violinist nimmt das Publikum wie ein Rattenfänger mit sich, entführt es in den zweiten Stock, wo die Ton-Raum-Komposition „Serpentinata“ von Bernhard Leitner das Zentrum der Inszenierung von „Savitri“ bildet. Durch etliche Lautsprecher und Verstärker wird aus dem Raum eine Art überakustisches Milieu. Gleich die einleitenden A-Cappella-Töne des Todes erklingen rätselhaft verzerrt, wie übereinander geschoben. Die Musik von Holst ist tastender Jugendstil, Aufbruch aus der Spätromantik in eine Art raumgreifende Innerlichkeit. Luke Stoker (Tod) und besonders Taejun Sun als sterbender Ehemann mit umwerfend schönem Tenor entstammen dem Kölner Opernstudio und singen beide berauschend. Adriana Bastidas-Gamboa versucht, wo die Akustik es erlaubt, ihren individuell timbrierten, gut fokussierten Mezzo fließen zu lassen, bleibt aber in den hymnischen Aufschwüngen ein wenig sachlich. Wohl auch, weil die Regisseurin auch hier die dramatische Struktur weitgehend an den – durchaus faszinierenden! – Klang im Raum delegiert. Zwar leisten Rainer Mühlbach und seine 12 Musiker Hervorragendes. Dennoch hätte die entscheidende Auseinandersetzung mit dem Tod, der Rückgewinn des Gatten-Lebens eines inszenatorischen Zugriffs bedurft, der über die langsamen, kaum aufeinander bezogenen Bewegungen der Protagonisten hinausgeht.
Als Ganzes betrachtet ist dieser Doppelabend dennoch ein Erfolg. Erneut hat die Kölner Oper einen Ort in der Stadt für das Musiktheater entdeckt und gewonnen, der Unübliches fordert und gestattet, in einer Form, die auf der klassischen Opernbühne kaum möglich ist. Es steht zu hoffen, dass die Heimkehr ins große Haus diese Entdeckerfreude weiter beflügelt.
