Das ist stringent erzählt und fängt in seiner Ästhetik auch Zeitkolorit ein, etwa wenn die auf dem Zwischenvorhang funkelnden Goldpailletten der Königin an Bilder Gustav Klimts erinnern. Nicht die einzige Anspielung auf das Wien des Fin de Siècle. König Salomo wird zum Dr. Freud, der in die Königin verliebte Assad zu seinem Patienten. Die kleinen ironischen Geplänkel – zum Fest im dritten Akt spielt man „Reise nach Jerusalem“ – tun der Inszenierung gut, ihr Grundzug bleibt indes der eines nach den zeitlosen Wahrheiten schürfenden Assoziationstheaters mit großen Cinemascope-Bildern.
Und mit dem dazu passenden, packenden Sound. Denn musikalisch ist dieser Freiburger Opernabend von allererster Güte, auch im Hinblick auf seine vokalen Qualitäten Da ist der junge thailändische Tenor Nuttaporn Thammathi, dem eine echte Karriere winken könnte. Er verfügt in ganz hohem Maße über jenen unglaublichen Mix an lyrischen und dramatischen Qualitäten, den die Partie des Assad abverlangt. In der Titelpartie glänzt Katerina Hebelková mit loderndem Sopranfeuer. Irma Mihelics Sulamith ist von berührender lyrischer Zartheit, dabei ganz glockenrein. Und Kim-Lillian Strebels Gesang der Astaroth berührt mit makellosen Vokalisen. Karoly Szemeredy lässt dem Salomo mitunter ein Zuviel an Durchschlagskraft angedeihen. Prächtig und homogen agieren die von Bernhard Moncado einstudierten Chöre. Auf die parallel zur Produktion anberaumte Gesamtaufnahme der Oper (dann ohne Kürzungen) beim Label cpo darf man sich jetzt schon freuen.
