Der sehr beeindruckende Doppelabend wirft dennoch Fragen auf. Die wichtigste betrifft die ethisch-politische Haltung der Stücke. Dallapiccolas Musik ist ein Appell eingeschrieben, seine Oper will nicht nur Leiden zeigen und kathartisch bewegen, sie fordert zum Handeln auf, fordert vor allem Verantwortung ein, birst also geradezu wild dialektisch vor jener Hoffnung, die im Stück als ‚letzte Folter‘ bezeichnet wird. Zimmermann dagegen hat eine Selbstauslöschung komponiert, negiert alle Hoffnung. Beides sind bestürzend klare Aussagen. In der Kölner Inszenierung sind Wände und Boden mit Buchstaben bedeckt, werden weitere ständig projiziert. Aber sie verbinden sich nur in Ausnahmefällen zu Worten. Markus Bothe und sein Team scheinen diesen zu misstrauen, nicht an die Vermittelbarkeit, die Formulierbarkeit derart harter, klarer Haltungen zu glauben in der heutigen Zeit – oder grundsätzlich. Sie beschränken sich auf die Gestaltung der dramaturgischen und musikalischen Strukturen. Und sie füllen den Raum damit. Und sie packen.
„Es ist genug“, ein Choral aus einer Bach-Kantate erklingt zu Beginn und dann immer wieder, als eine Art musikalischer Klammer. Vielleicht ist es das doch nicht. Zumindest nicht ganz.
