Eine jüngere Frau stößt dazu, groß, blond, schick und arrogant. Eine Unternehmensberaterin im ständigen Kampf mit zusammenbrechenden Handynetzen und Onlineverbindungen. „Nicht ganz drei Tage“ heißt das Theaterstück von Fritz Eckenga. Diese Zeitspanne sitzen die Leute in der Pension fest, weitgehend abgeschnitten von der Außenwelt. Während aus dem Radio Wetterberichte und Weihnachtsgedudel tönt. Die unfreiwillige Pause zwingt die drei, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Und mit dem riesigen Druck, den sie in ihren Jobs aushalten müssen.
„Eine vorübergehende Komödie“ heißt das Stück im Untertitel. Fritz Eckenga hat keine Witzparade geschrieben, sondern im Kern ein schwermütiges Stück über Freundschaft, das Älterwerden und den Überlebenskampf. Ralf Ebelings Inszenierung kommt etwas schwer in Gang, der Text ist auch manchmal behäbig. Doch dann nimmt die Geschichte immer mehr Fahrt auf, bis es zu einem alkoholisierten Showdown kommt.
Burghart Braun überragt als Familienvater, der lernen muss, dass seine Frau mehr Geld verdient als er und er nicht der alleinige Ernährer ist. Mit zerknittertem Antlitz und latenter Erfolglosigkeit erinnert er manchmal an Willy Loman in Arthur Miller „Tod eines Handlungsreisenden“. Vesna Buljevic gibt Pensionswirtin Guddi viel bodenständige Herzlichkeit, und Julia Gutjahr lässt als Unternehmensberaterin ein bisschen Gefühl durch das perfekte Makeup blitzen. Nur Gudio Thurk rutscht als Fertignahrungsverkäufer Dirk mit aufgesetztem Akzent und Proletengehabe in die Karikatur eines Ruhris wie man sie aus schlechten Comedyshows kennt. Fritz Eckengas ernsthafte, berührende Komödie ist ein viel versprechendes Debüt mit kleinen Schwächen.
