Schräg ist auch die Bühne von Bettina Pommer; wie ein gekipptes Zimmer liegen zwei seitliche Wände und eine Rückwand nach vorne offen, so dass die eingezwängten Gestalten ständig nach unten in die Fügung der beiden grauen Holzwände zu rutschen drohen. In dieser Rinne spielt sich das ganz auf die Familie Jepsen konzentrierte Drama dann auch weitgehend in grauen oder braunen Kostümen (Henriette Müller) ab. Gabriela Maria Schmiede müht sich, die verschlossene Mutter mit der Geschichtenerzählerin zu verbinden, Sebastian Zimmer als verstoßener Sohn Klaas muss gar von seiner Verletzung künden und sie zugleich irgendwie darstellen. Franziska Hartmann gelingen als Tochter Hilke natürlichere Töne, die aber kaum zum übrigen Spiel passen. Sebastian Rudolph ist gezwungen, den Maler ebenfalls mit erzählerischer Einfühlung zu versehen; erst am Ende darf er ausführlicher über die Mühen des künstlerischen Schaffens reflektieren und damit der Figur eine eigenwilligere Gestalt verleihen. Zuvor ist er aber von seiner Rolle des Berichterstatters in einem widrigen Spielraum absorbiert. Auch Jörg Pohl als Sohn Siggi, der die ganze Geschichte aufschreibt und von den Mitsprechern textlich entlastet wird, findet kaum Raum und Worte, eine Figur zu entwickeln. Die Familie geschwätziger Nordlichter hat in dieser „Deutschstunde“ keine Chance, die Brisanz des nacherzählten Textes mit Leben zu füllen.
