Im Mittelpunkt steht die Familie des Gutsbesitzers und Politikers Esteban, der seine Frau Klara ebenso betrügt wie sein Land. Zwei Schauspieler untersuchen die komplexen Facetten seiner Persönlichkeit. Thomas Ecke demontiert den korrupten Senator, während Ralf Beckord die Zerrissenheit des Vaters, Ehemanns und Ehebrechers zeigt. Diese Vielstimmigkeit macht den Reiz von Wehners „Geisterhaus“ aus, das auf der griffigen Übersetzung von Anneliese Botond basiert. Zu den Gespenstern der Vergangenheit knüpft Natalie Hünig feine Drähte. Wenn die fragile Schauspielerin, die Estebans betrogene Frau Klara verkörpert, auf dem Tischkonstrukt steht und den Lebenden zuwinkt, legt das Tiefenschichten in Allendes Roman frei. Gekrümmt und mit Schmerzensschreien zeigt die junge Laura Lippmann als Enkelin, wie Folter Menschen zerstört. Jeder ihrer angstvollen Blicke geht unter die Haut. Julian Härtner als ihr Partner, der sich der Guerilla anschließt, verpuppt sich in sprachloser Verzweiflung. Ihr Faible für das Surreale kostet Gabi Geist als Puffmutter aus. Wehner horcht in ihrer überzeugenden Regiearbeit tief in die lateinamerikanische Lebensphilosophie hinein. Sie begegnet dem Text mit bestechender Ernsthaftigkeit. Das führt manchmal dazu, dass historische Details das Publikum erschlagen. Mit dem überzeugenden Ensemble findet sie aber stets zu einer Theatersprache zurück, die im besten Wortsinn berührt.
