Das sind offene Nicht-Räume, in denen es schwerfällt, die drückende Atmosphäre und die rigide Moral eines Dorfes zu empfinden, ohne die die Tragödie dieser Oper nicht zu verstehen ist. Wenn dann auch noch die Tanz-Szenen beinahe lieblich geraten oder am Ende des zweiten Aktes unvermittelt Schnee fällt, reibt sich der Zuschauer, der seit Jahrzehnten Konwitschnys große analytische Kraft und szenische Phantasie schätzt, verwundert die Augen. Erst gegen Ende, wenn beide Brüder Jenufa vor der drohenden Lynchjustiz bewahren und sie hinter einem umgestürzten Tisch Schutz sucht, sieht man wieder die Intensität Konwitschnys aufblitzen, die man kennt. Sichtbar wird sie auch, wo er etwa eine vermeintliche Nebenfigur, den jungen Jano (wunderbar verkörpert von Samantha Gaul) zur Hauptpartie aufwertet.
Dirk Kaftan – mittlerweile GMD in Graz – studierte die Partitur nun als Gast sensibel mit seinem ehemaligen Orchester ein, aber auch er verweigert die Härten, das Scharfe, alles Schroffe, was dem Hörer wehtun könnte, aber die Essenz dieser Oper ausmacht.
