Auch szenisch bot der Abend keinen Regie-Egotrip, keine Dekonstruktion. Grubers langjähriger Mitarbeiter, Librettist und nun auch Regisseur Michael Sturminger erzählte die Geschichte klar und eingängig. Aus dem Nebel einer leeren Bühne, wie aus ihren verhangenen Gedanken taucht Marianne auf. Hintergrundfotos zeigen triste Wiener Gegenden. Zusätzlich hereinfahrende Bauteile wirken in Olaf Winters differenzierter Lichttechnik von vorne real, von hinten transparent irreal. Darin war die junge Belgierin Ilse Eerens eine anrührende Marianne, im Kontrast zur herrlich lebenstüchtigen und liebeslustigen Trafikantin von Angelika Kirchschlager. Leider geriet Anja Silja die mordende Großmutter nicht zur schwärzesten Figur, während aus dem perfekt rollendeckenden Typen- und Stimm-Ensemble Tenor Jörg Schneider herausragte: der Metzger Oskar als erdrückende „Wuchtbrumme“ an Mannsbild mit vordergründig liebevollen, aber gefährlich kleinbürgerlichen Phrasen. Sie alle, den Kleinbürger-Chor des Vokalensembles NOVA und die Wiener Symphoniker führte HKGruber als Dirigent mit klarer Zeichengebung in die Stilrichtung „Neue Einfachheit“ – einhelliger Beifall dafür.
