Wenn die Geschichte kippt, wird auch die Musik mit zunehmenden Anteilen fernöstlicher folkloristischer Elemente opernhafter und melancholischer. Mit einer betörend schönen und traurigen Abschiedsarie des kleinen Chinesen. Insgesamt unterläuft Eötvös die strukturelle Verfremdung des Textes durch eine wachsende emotionale Empathie für seine Akteure, vor allem für den kleinen Chinesen. Auch Regisseurin Elisabeth Stöppler baut mehr auf das Komödiantische und die Poesie der Geschichte, weniger auf ihre denkbaren politischen Weiterungen. Hinter dem vollgerümpelten Spielpodest erhebt sich eine riesige Drachen-Collage aus dem Strandgut der Zivilisation. Die natürlich nach allen Regeln des atmosphärischen Zaubers funkeln kann und am Ende langsam ins sich zusammensinkt.
Da der Komponist am Pult stand und die Ko-Auftraggeber und -Produzenten vor ihm saßen, darf man von einer authentischen Interpretation dieser trotz aller Traurigkeit am Ende gemütserheiternden Musik ausgehen. Die erstklassigen Protagonisten taten ein übriges. Ob nun Kateryna Kasper als „junge Frau“ und „der Kleine“, ob Hedwig Fassbender, die als „Frau über sechzig“ auch als „Enkeltochter“ oder „Ameise“ glänzte oder das wunderbare Herrentrio aus Simon Bode, Hans-Jürgen Lazar und Holger Falk. Wobei sich keiner die Show stehlen lässt, als Kellnerin oder als Stewardess zu glänzen. Frankfurt ist ein Saisonabschluss mit einem Stück neuen Musiktheaters gelungen, das Freude macht und obendrein gute Aussichten auf ein Bühnenleben hat.
