Die zuverlässige Qualität von Christine Mielitz’ spannungsvoller Inszenierung und vor allem das hervorragende Sängerensemble erheben die ereignisreiche und sauber gearbeitete Partitur zu einem durchaus präsentablen Opernereignis. Über den Rahmen kann (und sollte) man sich streiten. Eine Figurenaufstellung frei nach Modell Macbeth dient als zusätzliche Stützwand. An Lady Macbeth erinnert vor allem die Präsidentin Anna (Vera Egorova), die mit der fesselnden, unnachgiebigen Intensität ihrer Altstimme aus disziplinierter Machtgier gegen ihre innere Schwäche ansingt. Eine stimmlich wunderbare Ergänzung dazu ist ihre präkorrumpierte und entsprechend unberechenbare Tochter Lola (Anna Pisareva, Sopran). Ihr Ton ist nicht weniger durchdringend, aber weist mit einer etwas geringeren Stabilität auf eine Menschlichkeit hin, die Anna abhanden gekommen ist.
„Vastation“ ist Neue Oper, die auch dem treusten Freund der Konventionen nicht weh tut. Opulentes Blech, harmonisch erweiterte Strukturen, ein heroisch-monumentaler Duktus, tonal vom Scheitel bis zur Sohle – mit den immer wiederkehrenden Anklängen an Strauss und Wagner im Orchester, in den Gesangspartien an Puccini, da und dort auch an Verdi, darf man sich im sicheren Hafen des Altbewährten und Risikolosen wähnen. Der kanadische Komponist kennt den Orchesterapparat und weiß ihn auf maximalen Effekt hin zu bedienen. In Verbindung mit einer Dramaturgie wie sie im Lehrbuch steht (Libretto: Toby Litt), kantablen Partien, die jedes Rollenklischee erfüllen, einer überzeugenden szenischen Personenführung, und einem klar artikulierten, nuancierten Orchesterspiel (Philharmonisches Orchester Regensburg unter Maestro Moussa selbst) darf man das Gesamtpaket als gelungen bezeichnen. Eine tadellose Produktion der Art, wie man sie etwa an der English National Oper oder einem arrivierten Stadttheater hierzulande zu sehen bekommt, wo man sich anstandshalber einmal etwas „Neues“ leisten muss, ohne das Abopublikum zu vergraulen. Sogar an den guten alten Vorhang hat man gedacht. Dass so der Kulminationspunkt von 26 Jahren Münchener Biennale für neues Musiktheater aussieht, kann allerdings schon nachdenklich stimmen.
