Lediglich zwei Kulissenbewegungen brechen den Stillstand: So lässt beispielsweise das allmähliche Sinken der Hinterwand, das spiegelbildlich die Schicksalsgefangenschaft der Todgeweihten veranschaulicht, zumindest den Versuch erkennen, aus der gedankenlosen Einfalt verzweifelt eine inszenatorische Idee herauszuquetschen. Gleiches gilt für das einzige Szenenrequisit, eine mit Rissen versehene Sitzmauer, die sich in gebogener Form zum Publikum hin öffnet. Nachdem Iphigenies Gatte Achill wie ihre Mutter auf die bevorstehende Hinrichtung die Nemesis prophezeien, wird das weiße Steinelement in den Himmel gehoben und ragt als Menetekel des Fluches wie ein schweres Damoklesschwert über der sich entzweienden Herrscherfamilie. Solcherlei Bildsprache hätte man sich von dieser unambitionierten Fehde mehr erhofft. Während Markus Bieringer mit seinem exzellenten Orchester stets um Enthusiasmus und Kraft im klanglichen Ausdruck bemüht ist, versinkt das Bühnengeschehen in einem ermüdenden Lamento. Dass sich die Heldin, mit der pflichtgemäßen Ergebenheit in ihr Schicksal den Götter genehm macht und schließlich das Geschenk der Begnadigung erhält, hinterlässt zwar ein Trauma. Tiefe vermag dieser nachhallende Schock jedoch nicht zu erzeugen. Auch die gezückten Holzschwerter der sich am Ende euphorisch auf die Schlacht in Troja vorbereitenden Truppen Agamemnons kann die allgemeine Mutlosigkeit nicht mehr wettmachen.
