Dass er dabei eine lineare Handlung aufgibt, mag auch der Zerrissenheit der Protagonisten, deren Lakonie wie auch charakterlichen Konturen im Übrigen sehr an die Figuren von Marguerite Duras erinnern, Rechnung tragen. Während die Jünglinge nach Aufbruch dürsten, leiden die Erfahrenen an ihrer lähmenden Müdigkeit.. Mal in Sturm und Drang, dann an der Grenze zur Selbstaufgabe treten Erstere für die Widerbelebung des einstigen, gemeinsamen Glücks ein, derweil Letztere mit sich unentwegt hardern. Denn die in die Jahre gekommenen können die Vergangenheit nicht vergessen, geschweige dem übertünchen. Die Kulisse steht dabei ganz im Zeichen der Leere. Boden wie auch Wand geben das Bild einer weißen Fläche zu erkennen, von der sichtlich eine Oberflächsenstruktur, Farbe und Glanz, abgestreift wurden. Sie neu zu bemalen, liegt außerhalb der Kraft der Alten.
Nicht zuletzt der Tod scheint in diesem spannungsreichen Arrangement allgegenwärtig, er erweist sich sogar als Ausgangspunkt der ominösen Begegnungen, insofern das Ableben einer unbekannten Frau die Partner überhaupt erst wieder zueinander bringt. Das weiße Tuch über der Sterbenden auf einer Anhöhe im Hintergrund wirkt wie ein Fanal der Vergänglichkeit und lässt alle Festigkeit erschüttern. So ist auch der Boden gänzlich instabil. Denn zwei riesige Bretten – allein über zwei Mittelpfosten in der Höhe gehalten – kippen wie eine Schaukel ständig hin und her. Alle Gefühle, alle Uneinigkeiten scheinen im freien Fall – ein Entgleiten, das nachwirkt!
Unter dem vom „European Theatre Convention“ entwickelten Leitgedanken „Die Kunst des Alterns“, wozu Adnan hiermit einen sensiblen Prolog vorlegt, überzeugt das Staatstheater mit einem vielstimmigen wie souveränes Kammerstück. Chapeau, selten werden Liebe und Verlust als derart virtuoses Bühnenerlebnis fassbar!
