Im zweiten Teil geht es strenger zu. Hausherrin Bettina Jahnke lässt zunächst vor allem konzentriert sprechen, mit vielen Pausen, um das Gesagte, das Gehörte zu verstärken. Die Dialoge zwischen dem fast untot gelassenen Rainer Scharenberg als Gunther und dem aus einer anderen Welt energetisch herüberlächelnden Hagen von Andreas Spaniol, das Gespräch zwischen Dietrich von Bern (Johann Schiefer als Superheld in Understatement-Maskierung) und dem fast depressiven Rüdiger (Joachim Berger im Frack) über Macht, Tat und Moral treffen ins Herz, lassen die zeitliche Distanz – ohne zwanghafte Aktualisierung – vergessen. Aus dem Gemetzel im Schlussakt macht Bettina Jahnke einen Sprechchor vor blutroter Wand. Die Handlung wird klar vermittelt, berührt hier aber nicht mehr, geht nur noch zuende. Die Figuren erscheinen auserzählt, was wohl auch eine Schwäche der Vorlage ist. Zudem bleibt die Etzel-Figur arg blass und Linda Riebaus Kriemhild wirkt, trotz hervorragender Textbehandlung, geradezu statuarisch. Man nimmt ihr die Racheobsession, zumal nach der exaltierten Performance ihrer Rollenvorgängerin, nicht wirklich ab.
Als Ganzes allerdings beeindruckt der überlange Abend über die Maßen mit seinem Verzicht auf Requisiten, seiner Konzentration auf die Figuren, ihre Sprache und Haltung. Das schauspielerische Niveau ist hoch, die bekannte Erzählung erscheint lebendig und, wenn nicht neu interpretiert, so doch eigenständig gewichtet. Hierzu hat wohl auch ein eigens veranstaltetes Kolloquium beigetragen, in dem die Schauspieler und Regisseurinnen der Produktion auf Literaturwissenschaftler trafen. Dazu öffnete sich das Haus in eine neue Richtung. Eine Twitter-Community wurde zu einer Offenen Probe – und der Veranstaltung eines darauf bezogenen TweetUps – eingeladen (Reaktionen auf NibelNe.tweetwally.com)
