Entscheidend für die Stimmigkeit dieser sinnfällig doppelbödigen Interpretation ist nicht zuletzt die wunderbar ausbalancierte Mischung der vier in Charakter und Farbe so unterschiedlichen Stimmen. Allein der Kontrast zwischen Edwins (Timothy Sharp) Ringen nach innerer Festigkeit und der scharfkantigen Ironie, mit der Narine Yeghiyan Glorias überspannt virtuose Partie erfüllt, lassen stets Kreneks Ambivalenz gegenüber dem Sujet Vertrauen, aber auch gegenüber der Komödie an sich durchschimmern. Vom Klavier aus hüllt der musikalische Leiter und Pianist Günther Albers das musikalische Geschehen in ein luftiges Gewand. Mit leichtfüßig elegantem Fluss verhindert er jede Schwere und Stagnation und lässt die atonale Faktur so beschwingt wie Salonmusik klingen, ohne nur den subtilsten Unterton darin zu ertränken.
Kammeropern dieses Taschenformats scheint die wandelbare Werkstattbühne der Staatsoper ein ausgesprochen zuträgliches Ambiente zu bieten. Frei von den Dimensionen und Assoziationen der traditionellen Oper erlaubt das Understatement des rudimentär ausgestatteten Raums, der wie ein unbeschriebenes Blatt wirkt, Miniaturen wie Kreneks „Vertrauenssache“, ihre volle Wirkung zu entfalten.
