Bemüht und zäh wirkt das szenisch. Und die musikalische Seite kann das nicht korrigieren. Enrico Delamboye hält die Stricke brav in der Hand, wagt aber weder die Kraft noch den Sog der Partitur auszuspielen. Dem Basler Erfolgspaar in den Hauptrollen kommt er dafür weit entgegen: Maksim Aksenov bekommt viel Raum für laute (und schöne!) Töne. Für Svetlana Ignatovich, für die diese Rolle hörbar noch an einzelnen Stellen über die stimmlichen Möglichkeiten geht, nimmt er das Orchester zurück. Diese Sängerfreundlichkeit führt bei Scarpia zu grundsätzlichen Problemen: Nimmt der Dirigent den Apparat zurück, wirkt die Stelle nicht (wie im Te Deum), lässt er ausspielen, geht Scarpia unter (wie im zweiten Akt). Davide Damiani hat’s nicht leicht.
Die tetrisartige bewegliche Wand, die Florian Lösche auf die sonst leere Bühne gestellt hat, gibt Tosca (bzw. ihrem Double) eine eindrückliche Plattform für den finalen Sturz; die Wand dreht und neben der zerschmetterten Tosca steht Tosca, die „Bang bang“-Sängerin im roten Konzertkleid am Mikrofon. Tosca als Figur ist unsterblich, nun gut. Mehr als das demonstriert diese Produktion aber, wie eine Kopfgeburt Theatralität weitgehend verdrängen kann. Die Oper Basel erreicht das Niveau, das sie in den ersten Jahren von Intendant Georges Delnon und noch unter Operndirektor Dietmar Schwarz hatte, auch mit den damaligen Rezepten zur Zeit leider nicht mehr.
