Es ist wunderbar, den Bühnenkünstlern der Musikfabrik zuzusehen, ihrer Präsenz, ihrer Musikalität, ihren gemeinsamen Schwingungen, ihrer Lockerheit, mit der sie diese fabelhaft funktionierende Rauminstallation mit Leben füllen, mit viel Gesang und wenig Text. „Delusion of the Fury“ kommt frischer, fröhlicher, vor allem ungezügelter daher als Goebbels‘ letzte Arbeiten für das Musiktheater.
Harry Partch war vor allem ein Rebell, mehr als ein vergessenes Klangwunder, einer, der anders war aus Prinzip, der nicht aufgenommen werden wollte, in was auch immer. Wer „Delusion oft the Fury“ nachspielt, könnte seine Geschichten daraufhin befragen: die vom Mörder und vom Rache suchenden Geist, der nach der Begegnung mit dem Mörder plötzlich Vergebung sucht; die vom tauben Landstreicher und dem blinden Richter, die zusammen mit einer Ziegenhirtin eine fröhliche Orgie von Missverständnissen anrichten zum Lobpreis der Justiz als solcher. Man könnte nach dramatischer Reibung suchen, nach produktiver Fremdheit, nach kleinen und größeren theatralischen Explosionen und diese formidable, unerhörte Musik würde das vermutlich mühelos aushalten. Man könnte Theater spielen. Wer allerdings schwerelose, geschmackssichere Eleganz schätzt, wem das zur Verfügung Stellen von positiver Energie Wesen und Kern von Theater ist, der erlebt zur Eröffnung der Ruhrtriennale einen großen Theaterabend.
