Den Leipzigern nutzte hier ihr eigener Vorlauf, denn diese vernünftig gekürzte Fassung, die es mit zwei überlebensnotwendigen Durchhaltepausen auf unter vier Stunden brachte, hatte man schon am eigenen Hause in einer eigenen Inszenierung so einstudiert. Das Orchester und Thielemann konnten jedenfalls, dank der akustischen Nachrüstungen dieser Sporthalle, aber vor allem, weil sie offenbar einen Draht zueinander gefunden haben, überzeugen. Vokal freilich blieb die Sache zwiespältig – Robert Dean Smith ist in Bayreuth kein Unbekannter und schon in diversen Partien im Einsatz gewesen. In der Rolle des Volkstribunen wirkte er ständig so, als würde er an seinem Limit singen und blieb doch unter dem Optimum der Partie. Oft eng, jedenfalls nicht frei strahlend, das berühmte Gebet gegen Ende vor allem eine technische Anstrengung. Auch Jennifer Wilsons Irene war allzu angeschärft. Die beste Performance lieferte Daniela Sindram als Adriano. Die restliche Besetzung, wie etwa Jürgen Kurth als Orsini oder Toumas Pursio als Kardinal Orvieto, bewegte sich auf dem in Leipzig üblichen vokalen Niveau. Das wird man auch begutachten können, wenn Ulf Schirmer die Leipziger Feen-Produktion in der Oberfrankenhalle vorstellen wird. Allerdings nur konzertant, da sich die bilderreich üppige Inszenierung wirklich nicht auf einer provisorischen Bühne unterbringen lässt.
Für „Rienzi“ hatten Regisseur Matthias von Stegmann und Bühnenbildner Matthias Lippert hinter antikisierenden Arkadenbruchstücken bewegliche Tribünenelemente des Veranstaltungsortes nachgebaut und Videoeinspielungen integriert. Zitate aus Eisensteins Filmklassiker sind dabei mit atmosphärischem Effekt mit Variationen der Hallenarchitektur überblendet. Bei Bedarf gibt es einen Baum und eine Treppe. Thomas Kaisers Kostümierung der (Chor-)Massen verweist auf die Gegenwart. Ein Repertoire von konventionellen Operngesten ersetzt, wohl auch raumbedingt, eine echte durchgängige Personenregie. Hier jedenfalls kommt es nicht über die Qualitäten eines Openair- Spektakels hinaus. Immerhin bleibt am Ende wieder einmal das Staunen darüber, wie dicht die Entstehung des „Rienzi“ und des „Fliegenden Holländer“ zeitlich beieinander liegen. Und wie unterschiedlich die Resultate sind. Und mit seinem Kanon für Bayreuth hatte der Meister wohl Recht.
