Anfangs fühlt man sich verloren zwischen den versprengten Klängen und etwas gestört von den vielen Menschen um sich herum, doch im Verlauf der 70 Minuten gewöhnt man sich an die Situation und begreift, dass es oft besser ist, nicht gerade da zu sein, wo vermeintlich das Hauptereignis stattfindet, wo gerade jemand nicht Identifizierbares von Plato, Thomas Morus, de la Cruz, Giordano Bruno oder Hölderlin singt, wo ein oder mehrere Instrumente spielen, sondern sich wie in Trance langsam durch den Raum treiben zu lassen, den Kopf mal hierhin mal dahin zu wenden und die Echos aus den verschiedensten Ecken wahrzunehmen, ihnen hinterherzuspüren und das Gehirn, die bewusste akustische Wahrnehmung auszuschalten. Dann gerät man in einen meditativen Zustand, der die Prozessionen der Musiker, das Licht, den Raum, die Klänge als etwas zugleich Unwirkliches und ganz Konkretes erlebbar macht.
Ein sogenanntes Aurophon hat Sánchez-Verdú entwicklet, das die Live-Musik filtern, vervielfältigen, mit einer Aura versehen oder wie in einem Prisma brechen kann. Es besetzt einen virtuellen Raum, der den realen und den „Resonanzraum“ auf der Galerie ergänzt. Wie jeder Hörer die Musik und das „Geschehen“ je nach Platz unterschiedlich erlebt, klingt sie auch jeden Abend anders. Eigentümlicher- und beglückenderweise nimmt ihre Dichte, ihr Beziehungsreichtum immer mehr zu. Und am Ende steht man staunend wie ein Kind da und schaut den schwarzen Luftballons hinterher, die – mit einem kleinen LED-Lämpchen versehen – einer nach dem anderen an die Decke schweben und dort einen Sternenhimmel entstehen lassen.
