Regisseur Roman Hovenbitzer bringt das alles ziemlich ungebrochen auf die Bühne, mit viel Aufwand an Darstellern, Chören und Kostümen (Ausstattung: Tilo Steffens). Der zweite Akt schrammt dabei szenisch wie musikalisch ziemlich knapp am Kitsch vorbei: Es ist die heimliche, Traum- oder nur geträumte Hochzeit der Liebenden auf einer verzauberten Insel. Da schweben weißgekleidete Frauen über die Bühne, befreien den auf einem Schiff gefesselten Roland, schwingen Palmwedel zum „Göttlichen Moment“ der Hochzeit, von der Roland per Brief weg in den Krieg gerufen wird. Musikalisch ist das elegisch bis süßlich, viel Emotion in weitschwingenden Tönen. Großer Kontrast dann mit dem dritten Akt, mit aufgewühlten, kriegerischen Klängen und viel bewaffnetem Volk auf zwei Etagen und Auftritt des Bischofs mit einem Kindlein-Chor.
Dieser Gottesmann wird kurz darauf Roland an einer Folterwand die Beichte und damit sein Geheimnis abnehmen. In solchen Szenen des Verzweifelns, der Sehnsucht nach der scheinbar unerreichbaren Geliebten ist Sung-Kyu Park als Roland noch am überzeugendsten. Angelina Ruzzafante als Esclarmonde dagegen bietet alle Facetten ihrer Rolle – Herrscherin, Zauberin, Verliebte, Verzweifelte, Verzichtende – wunderbar, sie brilliert in einem guten Ensemble. Und erst ganz am Ende, in der gleichen Staats-Szene des Prologs, erlaubt sich der Regisseur eine winzige Brechung: Da erklimmt Roland die Stufen des Thron-Sockels, erreicht aber Esclarmondes ausgestreckte Hand nicht.
