Katja Gaudard gestaltet hinreißend die beiden Frauenrollen, brilliert auch als Ziege, Huhn und Teddy. Aber plötzlich ist Schluss mit der Groteskkomik. Selbstreferenzielle Kommentare der Mimen weiten sich zur Debatte über Sinn und Unsinn des Theaters. Die Schauspieler treten aus dem Vaudeville-Spiel, kritisieren diesen „Mischmasch aus absurden Geschichten und billigen Anspielungen“, fordern mehr Realismus auf der Bühne, der „mit der wirklichen Einsamkeit wirklicher Menschen“ zu tun habe. Showmaster Gant behaupt: „In einer Welt, wo uns der Tod zu jeder Sekunde im Nacken sitzt, ist selbst der kleinste Akt der Kreativität etwas Wunderbares, etwas Mutiges. Dass dieses Publikum heute Abend gekommen ist, um mit uns zu träumen – schon das ist ein Akt des Mutes, der Hoffnung: ein Bravourstück der Einsamkeit.“
So viel Theaterliebe rührt uns Theaterliebhaber naturgemäß. Aber nicht ohne Aber. Der Nebel fließt apart milchig über den Bühnenboden, Schneeflocken und Regentropfen gleiten magiewillig über die Szenerie, Glasmusik erregt sanft die Luft, aber mit drei verschiebbaren Stellwänden ist das Bühnenbild so karg wie die Inszenierung ausgenüchtert wirkt. Den Pointen mangelt es an der erschreckenden List des Makaberen. Und Dieter Hufschmidts Conferencier ist so gar nicht der maliziös enigmatische Galan, nur ein Geschichten erzählender Biedermann. Den Melodramoletten fehlt zudem die süffige Atmosphäre, das Traum-Aroma – oder wenigstens ein fantastischer Tim-Burton-Touch. Selten so intensiv wie an diesem Abend wünschte man sich bei einer deutschsprachigen Erstaufführung, dass sie englischer wäre. Trotzdem: Mit einem düster-frisch schillernden Farbton bereichert sie die Vielfalt des Hannoveraner Schauspielangebots.
