Die – manchmal fast bohrend aufdringliche – Klarheit der Inszenierung findet eine wunderbare Entsprechung im frischen Dirigat von GMD Kazem Abdullah. Bei aller Lebendigkeit führt er die Düsternis dieser Partitur deutlich vor, die Dominanz der subtil aufgefächerten dunklen Farben, von Celli und Bässen, Bassklarinette und Posaune, wie die weitgehende Abwesenheit von schluchzenden Geigen, die nur im – inszenatorisch etwas konventionell geratenen – Liebesduett dominieren dürfen.
Irina Popova überzeugt mit unforcierter, aber nie naiver Mädchenhaftigkeit, Alexey Sapin gibt mit herrlich timbrierten, unter Druck noch etwas eng werdenden Tenor als Liebhaber Adorno ein großes Versprechen für die Zukunft ab. Ulrich Schneider zeichnet ein faszinierend konturenscharfes, von jedem Bass-Brummeln freies Porträt des vom Hass zerfressenen Fiesco. Tito You singt die Titelrolle mühelos mit großer Autorität im Forte, berührenden Leidenstönen und großen Pianoqualitäten. Alle vier phrasieren makellos und eigenständig und finden in den Ensembles wunderbar zusammen.
Auch die übrigen Solisten und der deutlich verstärkte Chor tun das Ihrige und machen die Aufführung dieser doppelten Vätertragödie in Verdis mutterloser Welt zu einem deutlichen Plädoyer für ein immer noch selten gespieltes Stück.
