Es gibt keine gradlinige Handlung, keine biografische Skizze, sondern ein vielfältiges Puzzle aus Erinnerungen, Assoziationen, Gedanken, Philosophien. Neben der Doppelfigur Nietzsche ist dessen Schwester Elisabeth (Katja Preuss) die Dritte im Bunde. Sie hütet und ordnet seine Schriften, pflegt den Bruder und streitet mit ihm. Beziehungsweise mit seinen Geist – denn der Philosoph bleibt meist stumm in seiner Zelle, nur für einen – mit heutigen Fotos illustrierten – Spaziergang durch Naumburg verlässt er den Raum für längere Zeit. Dieses Dreiecksspiel – Elisabeth spricht mit der Puppe über die Verehrung für und den Bruch mit Wagner, über die Familie, über Lou von Salomé, während Holger Vandrich als Nietzsche stumm dieser Welt schon entrückt scheint – ist reizvoll, weil immer wieder variiert.
Mal schmiegt sich die Puppe an Nietzsche, mal streicht er ihr vorsichtig die Hand, mal kann der Puppen-Geist fliegen, dann wieder doziert er wie ein altkluges Kind. Musik setzt Martin Pfaff in seiner Inszenierung nur sehr sparsam ein und wenn dann Nietzsche über Kopfhörer Wagner-Klänge hört, wankt er auf seinem Stuhl hin und her, wie verzückt und zugleich wie unter einer schweren Last.
