Als Gegenspieler tritt ein Mann aus der Grauzone des Patriotismus auf (Dan, von Daniel Scholz messerscharf gespielt, schaut als Vertreter der strammen Politik angewidert auf das Leben und Lieben der Andern, das er für einen Blondinenwitz hält) und provoziert die Kino-Diva zu Bekennermut für ihren Lieblings-Kennedy. Oder waren gar zwei, John und Robert, im Spiel? Da gerät die Aufführung (Regie: Frauke Busch) etwas ins Trudeln, denn sie kann sich nicht dazu durchringen, das für piepegal zu erklären. Da sie weder über Arthur Millers verschlüsselte Insider-Poesie verfügt noch über die literarische Kraft von Gerlind Reinshagens damaliger Ferndiagnose über “Leben und Tod der Marilyn Monroe”, bleibt “ein Abend über…” quasidokumentarisch an den Vermutungen über Mord oder Selbstmord kleben. Zuvor, im Wutausbruch gegen den Umgang einer bornierten Männerwelt mit ihrem Erotik-Geschöpf nach Macho-Maß, blitzen starke Momente auf – wo Marilyn nicht nach Tabletten grapscht, sondern kurz vor ihrem Tod mit selbstverfassten Gedichte voller Verzweiflung die Ignoranz attackiert. Da gelingt Adeline Schebesch, die optisch der Legende sehr nahe kommt, tatsächlich der Durchbruch zur Hommage an eine Frau, die auch im Pin-up kein Abziehbild sein wollte.
