In der Hauptsache geht es um die Beziehungs- und Krankengeschichte des aus Hoffmanns Erzählungen bekannten jungen Herrn Nathanael. Der möchte Schriftsteller werden und geht um der Besinnung aufs „Schöpfertum“ willen auf Distanz zu seiner mit beiden Beinen im Leben stehenden, ihm aber zu spröde vorkommenden Partnerin Clara, einer Basler Bankbeamtentochter. Die zweifelt nicht nur an seinem literarischen Talent, sondern – nicht ganz grundlos – an seinem Geisteszustand, hält eine Therapie für dringend geboten. Denn Nathanael wird von der Erinnerung an den schrecklich zu Tod gekommenen Vater heimgesucht, der ihm allemal im Verbund mit seinem sinisteren Geschäftspartner Coppelius erscheint – jener Figur, die in der traumatisierenden Kindheit Sandmann genannt wurde und später von ihm als Quelle alles Übels angesehen wird. Die Auftritte der beiden alten Herren – Thomas Piefka und Hans Schöpflin – akzentuieren komödiantische Aspekte im Grauen. Nathanael, dessen Gemütsschwankungen Ryan McKinny mit seinem geschmeidigen Bariton vorzüglich nachzeichnet, therapiert sich aber auf eine von Clara wohl kaum intendierte Weise, verliebt sich heillos in die rassige Italienerin. Die aber entpuppt sich mit ihrer willkommenen permanenten Ja-Sagerei und überzogenen Willigkeit als chipgesteuertes Kunstprodukt.
Unentschieden blieb in Basel, ob Nathanael tatsächlich seinen Roman zu Papier bringt und den ruhmreichen Augenblick der ersten Dichterlesung nicht auch nur träumt. Jedenfalls überlebt er die Heimsuchungen aus dem Reich der dunklen Ängste nicht. Clara, die sich düpiert fühlt durch den Text des Mannes, „für den sie sich entschieden hat“, zeigt sich sichtbar erleichtert, wenn er schließlich tatsächlich tot ist und sie dieses Kapitel des Lebens abhaken kann. Aber was, bittesehr, könnte bei dieser Handlung als „tatsächlich“ gelten? Die Basler zeigten sich angetan von dem neuen Stück, das sie wohl zunächst ziemlich irritiert hatte.
