Nur wenn sich ein schunkelnder Trinkerchor am Wirtshaustisch am schönen Schrecken weidet oder die gemeuchelten Bräute wie Unheilssymbole im Salon umherirren, blitzt mal auf, dass es auch um den Einbruch des wohligen Schauders in die Bürgerlichkeit gehen könnte. Doch solche Doppelbödigkeit ist der Inszenierung weitgehend fremd.
Musikalisch dagegen kann sich dieser „Vampyr“ durchaus hören lassen, das Orchester unter Intendant und Musikdirektor Johannes Rieger spielt den leisen Grusel, aber auch die grellen Bläsereffekte über dunklen Streichern lustvoll, malt die musikalischen Effekte schön aus, ohne ins Klischee zu fallen. Juha Koskelas Vampyr ist leider wenig dämonisch, Annabelle Pichler dagegen singt ganz anrührend die Emmy, eine der Vampirbedrohten Bräute. Und wenn nach knapp drei Stunden das naive Happy End erreicht ist, blecken alle Beteiligten ihre Beißerchen.
