In dieser Mischung aus Poesie und Nüchternheit, Pathos und Laxheit kommt auch Zielinskis Inszenierung daher. Das beginnt mit Trommelwirbel, Posaunenklang und Ritteraufmarsch; in die erste Szene von Mutter Herzeloide und Sohn Parzival säuselt eine Off-Stimme „Es war einmal, meine Damen und Herrn, liebe Kinder“. Da wird auch gezeigt, wie (mühsam) man ein Ritter wird – unzählige Wamse, Schoner, Visiere, Helme müssen übergestreift und befestigt werden -, und mittenrein wuselt als Merlin ein kleiner, weißer Spielzeughund.
Solche Brechungen beschädigen die Parzival-Geschichte nicht, holen sie aber wirksam vom Sockel. Auf dem hat die Figur, wie der neu engagierte Matthias Walter sie wunderbar spielt, auch nie gestanden. Das Staunen im Gesicht wird er nie ganz los, aber es bekommt mit der Zeit Schrammen. Er kann die Mutter atemlos nach Gott, Vater und der Welt fragen, aber auch ins Publikum grüßen wie ein Politiker beim Bad in der Menge. Und er kann auch sehr herzlos und herrisch sein, wenn er dem von ihm erschlagenen Roten Ritter die Rüstung vom Leib zerrt oder seine Gegner mit dem Schwert „vom Acker“ schickt.
Um ihn herum wechseln die Schauspieler in verschiedene Rollen oder fungieren als Erzähler im Wechsel von gespielten und (nur) gesprochenen Szenen. Das ergibt einen sehr dichten, spannenden Bogen der Wandlung(en) des „tumben Toren“, der ein großer Recke sein will, aber auch im schrägen Lichtstrahl behutsam einen Vogel fängt. Am Ende empfiehlt ihm Anfortas, die Burg mal richtig durchzulüften. Das hat Jürgen Zielinski mit dieser gut zweistündigen Inszenierung schon getan.
