Vater und Mutter, Oma und Opa, das (von Vater und Sohn) begehrte Kindermädchen, der verwirrt aus dem Krieg zurückkehrende Onkel und die ganze Dorf-, später Schulgesellschaft mühen sich redlich (und oft sehr erfolgreich) um den Ton der Region am Rande der Welt; mit Geduld und Spucke (dem „Lausitzer Leim“) werden die Innovationen von Post und Telefon, Fahr- und Motorrad bewältigt.
Ziemlich kleinteilig hat Holetzeck Effekte und Pointen sortiert, echtes Pferd inklusive, und die Aufführung wagt sich durchaus auch vor an die Grenzen zum reinen Amüsiertheater – aber letztlich wird ja immer auch das Jahrhundert besichtigt; und das ist nicht nur ein Spaß. Oft markiert übrigens gerade die Musik von Hans Petith, Stile der Zeiten zitierend, den historischen Rahmen, der der Inszenierung so nie abhandenkommt.
„Der Laden“ ist ein ziemlich großer Wurf in und für Cottbus, Teil 2 folgt zu Beginn der kommenden Spielzeit. Neben einigen anderen sehr eindrucksvollen Profilen im Ensemble erfindet hier aber vor allem Oliver Breite ein Leben. Er war ja schon ein großer Menschenbildner, als er noch Oliver Bäßler hieß und vor bald zwanzig Jahren mit Christoph Schroth nach Cottbus kam. Jetzt hat er zehn Wanderjahre hinter sich und kehrt auf Dauer zurück. Gut für Cottbus.
