Jac Van Steen beglaubigt die Musik mit theatralischem Gespür, lässt sie mit interpretatorischem Bekennermut aufblühen. Mit lyrisch klarem, aber nicht zu weichem und enorm höhensicherem Sopran formt Christiane Kohl ein beeindruckendes Beatrice-Porträt. Der schöne, elegante Mezzo von Katharina Peetz macht Lucrezia zu einer gleichwertigen Figur. Ohnehin wird im Grunde erst mit dem 3. Akt gänzlich legitim, dass die Oper nicht – wie etwa bei Havergal Brian oder Giorgio Battistelli – mit „The Cenci“ übertitelt ist. Andreas Macco gibt bassausladend den giovannesken Fiesling Francesco, als Beatrices adoleszenter Bruder Bernardo ersingt und erspielt sich Ileana Mateescu alle Sympathien. Zufriedenstellend die Besetzung der anderen Partien.
Die Inszenierung vermittelt den brisanten, leicht ins Heute fortzudenkenden Stoff ohne viel eigenes Hinzutun. Man kann die von einem stelenartigen Säulenarrangement massiv überhängte schwarze Szene Roland Aeschlimanns als durchaus sinnfällig empfinden. Doch auch dieser Kulisse, in welcher die (endlich mal wieder) historisch gewagten Kostüme Andrea Schmidt-Futterers wirkungsvolle Akzente setzen, fehlen individuelle, wirklich sinnverstärkende Fingerzeige. Die Personenführung belässt es meist bei archaischen Gruppierungen, Soloszenen frieren oft zu einem Rampensingen ein. Aus diesem Werk wäre optisch mehr herauszuholen – hoffentlich geschieht dies schon bald einmal anderswo.
