Eine „atmosphärische Komposition aus Sprache, Musik, Bild und Spiel“ nennt Overkamp seine Dramatisierung. Die leere Bühne wird von dreieckig aufgespannten Leinwänden nach hinten abgeschlossen, eine abstrakte Landschaft als Projektionsfläche – in doppelter Hinsicht. Denn neben zwei Mikrofonen, mit denen Geräusche produziert werden, ist eine digitale Videokamera Hauptrequisit der Aufführung. Mit ihr werden auf der Bühne sichtbar Bilder hergestellt, die phantasievoll Schauplätze und Seelenzustände andeuten. Der Einblick in die Verfertigung der Illusion zerstört diese übrigens nicht, sondern scheint sie für das junge Publikum eher zu verstärken. Dazu gibt es immer wieder ausgelassene, sehr sinnlich aufbereitete Spiele zwischen den Geschwistern, etwa Kissen- und Schaum- und Marmeladenschlachten, die den Protest des erwachsenen Ordnungssinns fast provokativ herausfordern.
Gegen diese raumgreifende Körperlichkeit setzt Overkamp nachdenkliche Passagen, in denen Musik ein wenig aufdringlich zur emotionalen Verstärkung eingesetzt wird. Der „Depri-Faktor“ dieser Szenen erreicht vor allem die älteren Zuschauer. Ist es nicht schrecklich, wenn sich ein erst vierjähriger Junge „allein“ fühlt auf der Welt, wenn er seine Mutter nur als Instanz der Einengung seiner Freiheit wahrnimmt (und sie ihn vor allem als Aufgabe)? Ist das nicht traurig? „Nicht sehr.“, antwortet ein siebenjähriges Mädchen nach kurzem Überlegen und lächelt. So ist das wohl.
