Durch den Vorzeigecharakter der Inszenierung wird das Geschehen zur Parabel, aus der nur die Titelfigur herausfällt. Christian Sist, ein Baum von einem Mann, formt mit balsamischer, legatosicherer und unter Druck leicht spröder Bassstimme einen faszinierenden Charakter. Sein Elias ist ein charismatischer Eigenbrötler, ein Politprofi als rhetorisch brillanter Sozialkrüppel. Je mehr er sich engagiert, desto mehr leidet er darunter, dass er nicht dazugehört. Dann zieht er seine Strickjacke an, nimmt sich ein Bier, setzt sich vor seinen alten Röhrenfernseher und zappt durch die Newskanäle. Oder er wirft sich gleich frustriert ins Krankenbett. Das Ende, Elias‘ Entrückung, inszeniert Herzog als Aufwachen. Der Held erkennt seine eigene Funktionalisierung und flieht in den Zuschauerraum. Das Kind, dessen Leben er einst gerettet hat, wird flugs zum Nachfolger aufgebaut.
Motonori Kobayashi formt die gewaltige Klangskulptur des Schlusschors mit dem gleichen gelassenen Selbstverständnis wie die gesamte Aufführung. Die Dortmunder Philharmoniker spielen einen farbigen, wunderschön ausgewogenen Mendelssohn. Der erweiterte Chor begeistert, als zweiter Hauptdarsteller, durch Homogenität und Leidenschaft. Die Solistenriege singt – wie bereits die ganze Spielzeit – ohne Ausfall auf sehr hohem Niveau. Berührend Julia Amos als Mutter des Kindes mit klarem, sinnlichem Sopran. Umwerfend Katharina Peetz mit herrlich auf Linie gesungenem Mezzo als vom Dienst an der Sache innerlich ausgehöhlter „Ober-Engel“.
