Es geht durch Zeiten und Themen. Erziehung zu Hause oder im Kindergarten, Flasche oder Muttermilch, hochheben oder schreien lassen. Erste Liebe, erste Westerfahrung nach dem Mauerfall. Die eine breitet ihre feministische Jugendlektüre aus, die andere verblüfft ihre Informationspartnerin aus dem Westen mit Berichten über jugendliche Sexualerkundungen. In den biographischen Erinnerungen tummeln sich die Klischees, die der Theaterabend nicht untersucht, sondern ausstellt. Da redet eine Ostfrau zunächst russisch, während eine Westfrau für ihr Gegenüber jeden englischen Songtext übersetzt. Natürlich benutzt eine Ostlerin so selbstverständlich wie hartnäckig nicht die weibliche Endung ihrer Berufsbezeichnung. Und bei Westpaketen wird eine enttäuschte Ost-Erinnerung gegen die West-Erinnerung eines großen Engagements gesetzt.
Die Fülle der Erinnerungen ergibt einen bunten Wohlfühlabend. Das Publikum wird mit sicher gesetzten Pointen bedient, aber nie mit Wundschmerzen konfrontiert oder mit analytischem Nachbohren gefordert. Man erfährt nur all das, was man schon immer gewusst zu haben glaubte. Der Abend bleibt stets harmlos, selbst wenn die Ostfrauen beim Wodka in Klischees über die Westlerinnen schwelgen. Leider hat er seine Kraft spätestens nach einem Drittel seiner zwei Aufführungsstunden aufgebraucht.
