Und so beginnt der zweite Teil der Inszenierung wie eine Gerichtsverhandlung, doch die einzige Zeugin Elsalil wandelt nur sprachlos umher, schaut niemanden an. Natalie Renaud-Claus spielt das sehr anrührend. Aber an diesem vom Eis abgesperrten Ort können Rächer und Täter sich nicht entkommen und so kehrt der Soldat Sir Archie (Philipp von Schön-Angerer) an den Tat-Ort zurück. Als er Elsalil begegnet, hält er sie für die von ihm getötete Berghild, sie gewinnt ihre Sprache wieder, erkennt den Täter aber noch nicht.
Carsten Knödler lässt das zum Glück stringent und schnörkellos spielen, so dass Täter und Opfer mal wie ein Liebespaar wirken, dann wieder wie Fremde, es wechseln Anziehung und Abwehr, aus einer Umarmung kann eine Fessel werden. Das ist die stärkste Phase der Inszenierung, die aber Hauptmanns Stück das Debattenhafte, die Behauptung der Schicksalsmächte und der bösen Ahnungen nicht nehmen kann. Die Figuren umkreisen sich, Archie schwankt zwischen Reue und düsteren Gedanken und der Phantasie, Elsalil mit nach Schottland nehmen zu können. Hier der gebrochene Täter, dort der Pfarrer als Racheengel, der sogar zum Messer greift und Archie unter riesigen Kreuzen verflucht. Den langen Schlussapplaus machten die Zittauer zu einer Standing Ovation für ihr Theater, das von massiven Kürzungen bedroht ist.
