Die Sprache des Stücks ist so einfach und lakonisch, wie seine Form komplex und abstrakt. Jenseits des psychologischen Realismus steht Lygre in der Nähe seines Landmanns Jon Fosse, der Dramen im Kopfinnenraum anlegt; man fühlt sich aber auch an die Ausgesetztheit der Beckettschen Menschen und die Brechtsche Dialektik von Herrschern und Beherrschten erinnert. Stéphane Braunschweig, Leiter des koproduzierenden Pariser Theaters „La Colline“ und als Regisseur eher auf klassische Stoffe gebucht, inszeniert wortgetreu: Er stellt die Schauspieler vor eine karge Wand, die in der Mitte ausgebuchtet ist, so dass ein kleiner Spielraum entsteht, und lässt sie Lygres zweite Sprachebene unverändert mitsprechen, auf der die Figuren sich und die Handlung kommentieren. Wenn die „Frau“ sagt: „Besitzer hält Frau unten. Sie kann sich nicht bewegen“, dann muss das als Hinweis auf eine neue Szene genügen. So entsteht eine Geschichte der Möglichkeiten, in der Vergangenheit und Zukunft erprobt wird.
Die Rollen sind prägnant besetzt. Udo Samel als „Besitzer“ wirkt seinem Helfersyndrom wie ausgeliefert, aber er kann bedrohlich rot anlaufen und schüchtert nicht zuletzt durch seine Körperwucht ein. Claudia Hübbecker gibt eine beunruhigend masochistische „Frau“, die nur in den Regeln von Macht und Ohnmacht funktioniert. Das Ergebnis des Experiments bleibt allerdings diffus; Lygre reißt zu viele Fragen an und lässt die Antworten zu sehr im Dunkeln. Die Regie hätte hier deutlichere Akzente setzen müssen.
