Die epochale Performance-Serie „Life and Times“ beruht auf zehn Telefonaten, die mit einer befreundeten Musikerin geführt wurden. Kristin Worrall erzählte ihre Lebensgeschichte, die dann mit allen „Ähs“ und „Ahs“, mit allen Hängern und Erinnerungslücken auf die Bühne kommt. Die neuen Folgen weisen durchaus eine inhaltliche Logik auf: Sind die Jahre der Pubertät und des Erwachsenwerdens nicht ohnehin voller Mysterien? Da passt Agatha Christies Krimiklassiker „Die Mausefalle“, der geprobt, und dann kurz vor der Premiere mit dem Teenager-Text, versehen wurde (er umfasst die Jahre von 14 bis 18), perfekt dazu. Mit fünf Stunden Spielzeit ist es der bisher anstrengendste Abend dieser Serie, auch, weil kaum Musik vorkommt – nur bei höchst emotionalen Szenen wie dem ersten richtigen Kuss, und am Schluss, wenn ein selbst gezeichneter Trickfilm zu sehen ist. Zur Ironie des Abends gehört, dass Kristin Worrall selbst mitspielt – und auf der Bühne ermordet wird.
Das Nature Theater of Oklahoma hat geschafft, was nur wenigen freien Gruppen gelingt: ein völlig unverwechselbares Universum zu schaffen, so eigenwillig, so verrückt, und zugleich so perfektionistisch wie man es selten auf der Bühne sieht. Kein Wunder, dass selbst Riesentanker wie die Burg nach diesem Frischfleisch schnappen. „Life and Times“ ist sicher eine der gelungensten Zusammenarbeiten der bisherigen Ära von Matthias Hartmann.
