Eine bemerkenswerte Partnerin hat er in Cornelia Gröschel, die in Karlsruhe ihr erstes Engagement hat. Die zierliche Blondine zerschlägt das Klischee vom dümmlichen „Thuschen“. Sie zeigt Thusnelda als eine starke Frau, die nicht nur um ihre Kinder kämpft, sondern die sich auch an den Römern rächt. Simon Bau-er interpretiert den Legaten Ventidius als kalten Herrenmenschen. Souverän schafft Hannes Fischer den Spagat, nicht nur die Fürsten Marbod und Thuskar zu spielen, sondern auch den römischen Feldherrn Varus. Die Besetzung hat Solberg radikal gestrafft. Robert Besta verblüfft durch fieberglühendes Geigen-spiel. Als Ubierfürst Aristan ist er ein geldgeiler Opportunist, der Ideale und Menschen verrät. Für komische Momente sorgt Thomas Halle als Fürst Selgar. Manchmal übertreiben Solberg und sein Ensemble, wenn sie etwa eine bezugs-lose Videosequenz aus „Aktenzeichen XY“ einstreuen. Die Reizüberflutung mag die Spaßgeneration amüsieren. Solbergs kluges Konzept wird dadurch aus-geleiert. Da feilt er noch an seiner Regiesprache. Sein markantes Profil hat der 31-Jährige in Karlsruhe allemal bewiesen.
