Am interessantesten der Beginn des zweiten Teils, von stark gestisch-deklamatorischem Charakter, der das musikalische Amalgam des ersten Teils zur polystilistischen Collage auffächert. Auf der Bühne (Ausstattung: Conrad Moritz Reinhardt) entspricht dem ein völliger Wechsel der Optik: Statt der flachen Kulisse eines neuzeitlichen Wohnzimmers gibt nun ein drehbares Treppengerüst dem Auf und Ab der Beziehung, den wechselnden Konstellationen und Perspektiven einen sinnfälligen, aber gänzlich abstrakten Rahmen.
Regisseur Christian von Götz findet in seiner fein und detailgenau gearbeiteten Inszenierung noch ein anderes Mittel, die unterschiedliche Herkunft von Prinz und Prinzessin zu charakterisieren. Die „Sprache“ der Prinzessin ist der Gesang, die des Prinzen der Tanz, und sie müssen eine gemeinsame Ebene der Kommunikation erst finden. Im ersten Akt führt das zu einem durchchoreografierten Pas de deux, bei dem der Prinz von einem getanzten Double vertreten wird – Aki Hashimoto als Prinzessin hingegen tanzt selbst und bringt das Kunststück fertig, dabei auch noch ihren hochliegenden, mit Koloraturen im Zerbinetta-Format gespickten Sopranpart makellos zu absolvieren. Mit ihrer quirligen Lebendigkeit ist sie Herz und Zentrum der Aufführung; doch auch Lucian Krasznec als ihr umworbener Traumprinz vermag mit höhensicherem lyrischem Tenor zu überzeugen. Dazu ein Ensemble mit bewährten Kräften wie Anja Vincken, Elisabeth Hornung und Hubert Bischof und das von Gastdirigent Ekhart Wycik bestens vorbereitete Orchester: Das Darmstädter Theater lässt der Aufführung alle nötige Sorgfalt angedeihen und erzielt mit diesem höchst ungewöhnlichen Projekt einen vollen Erfolg.
