Die wundersame Wende schafft das Paar mit Worten, die eigentlich das „Loser“-Pärchen in Ibsens Text, Linde und Krogstad, nutzen, dass nämlich zwei Schiffbrüchige sich besser ganz zusammentun. Böhm geht es um die wundersame Rettung aus einem Konflikt durch Empfindsamkeit und Empathie; auf dem Programmzettel ist die Rede davon, die Bühne in einen „hoffnungsvollen soft space“ zu verwandeln. Allerdings bleibt das Problem des Paares vage. Zu sehen ist guter Wille und fast fernöstlich wirkende Behutsamkeit, aber kein dramatischer Konflikt, der durch die gesellschaftlich vorgeprägten Rollen und eine lange persönliche Vorgeschichte nicht ohne weiteres lösbar ist. Das macht die knapp 90 Minuten etwas zäh.
Andererseits agieren die beiden Darstellerinnen durchaus überzeugend; besonders Julia Riedler gelingt es, ihr Mit-sich-Hadern differenziert zu zeigen und zu artikulieren. Das Spiel wirkt so ungewöhnlich glaubwürdig und intim – könnte allerdings genauso gut das Treffen zweier mit sich und ihrer Beziehung ringender Teenager abbilden. Auch die Verbindung der beiden zum Harfenisten und zum Publikum ist – abgesehen von kurzen spielerischen Brüchen – von Nähe und Respekt geprägt. Ob diese „Neuaktivierung“, so das Programm, von Ibsens „Nora“ therapeutisch einen Weg in eine bessere Welt weist oder aber einen Baustein bei der Selbstaufgabe des Theaters durch Konfliktvermeidung darstellt, ist die spannende Frage, die sich nach „Noorrrraaaaaaaa“ stellt.
