Die Atmosphäre dominiert der nüchterne, dabei keineswegs unpoetisch wirkende (Einheits-)Kosmos des Bühnenausstatters Thomas Mika. Auf zwei scheinbar massive Betonwände werden Landschafts-, v.a. aber große Baumaufnahmen des Mannheimer Fotokünstlers Peter Schlör projiziert. Ein kraftvoller Akzent in Hell/Dunkel, der die Grenzen zwischen Innen- und Außenraum durchbricht. Genau wie drei riesige, seitlich in den Raum hineinragende Lichtröhrenschächte. Symbolhaft liegen darin kleinere Sterne, die den gesamten Verlauf des Stücks begleiten. Lediglich die changierenden Lichtstimmungen von Mark Stanley spielen mit leichtem Blau. Den Eindruck vom Anderswo – einem Arkadien ohne Farben – unterstreicht schließlich noch das breite Wasserbassin im Vordergrund, in dem sich das formabstrakte Geschehen so schön spiegelt, bis es die Tänzer in der finalen Klimax zu wilden Planschereien verleitet.
Konform zu Kings mal kratzig aufgeregter, mal Melodiemuster aufgreifender Partitur variiert Kevin O’Days Solistenensemble gedehnte Moves, Kontorsionen und langsame Sequenzen mit eruptivem Aktionismus aus Sprüngen, Rutschern und In-die-Knie-Sackern. Permanent schnelle Richtungswechsel werden mit spontanen Bewegungspausen kombiniert, wobei das Singen der Kinder den rhythmischen Drive diktiert. Noch etwas schüchtern in den blues- bzw. gospelartigen Solopassagen: Antonia Schuchardt. Doch die Bewegungscollage nutzt sich ab, mutiert zu einer Schleife von Beliebigkeit. Vielleicht sogar gewollt, denn bisweilen scheppert und säuselt auch Kings Sound wie ein endlos oft abgespieltes Kassettenband. Enthusiasmiert gibt sich das Publikum nichtsdestotrotz. Es wird kräftig applaudiert. Und zum Schluss alles wieder zurück auf Anfang gespult. Nicht auf der Bühne. Im Foyer!
