Der Regisseur Johannes Lepper hat diese Dialoge vorsichtig behandelt, sanft rhythmisiert und sozusagen eingehüllt in Zellophan. Er hat die Distanz zur Bühne leicht verstärkt, mit dem feuchten Boden, mit den regelmäßigen Lichtern aus dem Hintergrund, mit der Projektionsfläche oben, die viele Wolken und Nebel zeigt. Und mit den Kostümen von Sabine Wegmann, die schlicht sind, aber viel Amerika enthalten: Stetsons, Joans Perücke, die Schnitte der Anzüge. Dazu passt Doreen Becks Bartresen, der uns Hoppers „Nighthawks” denken lässt und an Chandlers Marlowe-Romane.
Clowns ohne Empathie
Das Spiel beginnt mit zwei Polizisten. Der eine (Tobias Lutze) beklagt sich über die Zeit, die Gesellschaft und das Verbrechen, der andere (Rainer Kühn) leidet fast stumm, fast deformiert vom Schweigen. Es sind zahlreiche Gemeinplätze zu hören, aber es fesselt. Denn die zwei sind Teil einer Maschine, sie können nicht aussteigen und sie können es nicht mehr aushalten. Sie sind Clowns und Menschen. Sie haben Intellekt aber keine Empathie. Und immer scheint im Gespräch der Fall auf, der Mord an dem jüdischen Mädchen. Er ist das Zentrum, aber er wird nicht genau erzählt, weil der Autor das nicht will. Mamet will Menschen, nicht Handlungen.
Das Schlussbild: Joan (Anne Lebinsky) und Mr. Charles, der Teufel (Tobias Lutze), Foto: Karl und Margot Förster
Dann tritt Joan auf, ihre Gesprächspartner sind ihr Mann Alan (Martin Plass), der Pfarrer (Rainer Kühn) und der Anwalt (Felix Strüven). Sie will nur den Sohn retten, alles andere ist egal, die Menschen, die Beziehungen, die Gerechtigkeit. Die anderen reagieren moralisch (Alan), argumentativ (der Anwalt), beschwichtigend (der Pfarrer). Sie haben keine Chance gegen diese empathielose Wut. Dann kommt Mr. Charles. Tobias Lutze ist ein Clown und er ist Satan persönlich. Das Gespräch ist voller grausamer Pointen, voller Abgründe, die uns hilflos machen und noch einmal die vorher schon geäußerte Kirchenkritik zusammenfassen.
Spiegel unserer Zeit
Insgesamt ist „Die Masken des Teufels“ ein Spiel empathieloser Clowns. Und es ist damit auch ein Spiegel unserer Zeit. Das Rechtssystem ist nicht gerecht, die gesellschaftlichen Institutionen auch nicht. Weil nicht miteinander geredet wird, ohne Regeln und Vorurteile. So bleibt nur – Geschäft. Es gibt Menschen, die das alles sehen, doch sie kommen nicht an gegen die Wut, die Oberflächlichkeit, die Selbstsucht und den Geschäftssinn. Man möchte Idealist sein. Und dann stört vielleicht sogar die Wendung zum Schluss, der Anschein, dass Joan selbst die Mörderin sein könnte. Das heißt doch: Alles ist Gedankenspiel im Gedankenspiel, oder? Spiel, nicht ernst. Das ist mir eine Wendung zuviel. Trotzdem:
„Die Masken des Teufels“ in Wiesbaden ist eine gut gemachte, hervorragend gespielte und wichtige Erstaufführung.
