Der Ort, den Annika Lohmann geschaffen hat, ist eine Mischung aus Spiel- und Müllplatz. Rechts steht ein achtstufiges Podest, auf dem Plastikmüll angehäuft ist, aber auch Schwimmwesten oder eine Windmaschine liegen herum, links mittig steht ein Gerüst mit Hängematte, das von der Form her einem Schiff ähnelt. Dann gibt es leere Getränkekisten, einen Bildwerfer und weitere Requisiten, die im Spiel gebraucht werden. Nach hinten wird die Bühne durch einen Rundhorizont abgeschlossen. Hier agieren die strenge Martha der Johanna Dähler, die immer die Fäden des Spiels in der Hand zu behalten und das „Böse“ ihrer Rolle durchzusetzen versucht, Magdalena Wabitsch als fröhliche Rebecca und Marco Sykora als nörgelnder Tony. Was die drei da veranstalten, sind sozusagen Katastrophenübungen zur Klimakatastrophe. Gegen Ende hin kommt der Zeigefinger hinzu, auch wenn das „making of“ im Zentrum der Inszenierung steht, die Sounds von Christopher Scheuer und Friedrich Stockmeier werden über sichtbare Tabletbedienung eingespielt. Im Zentrum steht ein alter Bildwerfer aus den 70er Jahren: Da kann man Wasser auf die Platte träufeln und damit eine Sintflut an den Rundhorizont projizieren, oder mit Leinöl die Sonne.
Eigentlich macht es Spaß, den Drei bei ihrem Spiel zuzuschauen, die in grellbunten, nicht ganz realistischen Kostümen (ebenfalls Annika Lohmann) stecken. Aber je offensichtlicher die fatale Verwechslung von „Parabel“ und „Lehrstück“ durch die Regie und/oder Dramaturgie wird, um so mehr bedauert der Rezensent den Verlust der Mehrdeutigkeit der Vorlage. Dazu stellt sich die Frage, was macht es eigentlich, wenn alles nur Spiel ist? Gibt es da eine Verbindlichkeit? Genügt da der zeigefingerhafte Appell, das „Böse“ in der Gesellschaft zu überwinden?
