Cayetano Sotos „Mirrored“ ist der stärkere Teil von „Made for us“, was auch am Stück, aber wesentlich an seiner Arbeitsweise liegt. Der Choreograph hat die Bühne bis zur Brandmauer aufgerissen und einen Studio-Arbeitsplatz (er selbst nennt es „Tanzboden“) in die Weite gepflanzt. Spiegel gibt es in dieser Szene nicht, nur lebendige Spiegelungen. Die Verzerrung von Wahrnehmung wird körperlich, die raumteilenden Scheinwerfer-Batterien rücken bedrohlich an die Figuren heran, entwinden ihnen zeitweise ihre Eigenständigkeit. Die Minimal Music von Philip Glass, als Trend-Sound früherer Jahre nur scheinbar abgenutzt, tankt mit ihrer akustischen Endlosschleifen-Energie die Bilder auf. Denen ist anzusehen, wie lustvoll Sotos seine Phantasie an den reichlich vorhandenen Talenten der Tänzer (vier Damen, vier Herren) ausrichtet, wie er den egomanischen Anspruch, das eigene Bewusstsein als reinste aller Inspirationsquellen zu nutzen, an den Partnern modifiziert. Die Fixierung des (nicht vorhandenen) Spiegels ist für Soto ein selbstgestellter Forschungsauftrag ohne Bilanz-Botschaft. Er zeigt Blicke, die oberflächlich über das Objekt der Betrachtung hinwegblinzeln und Bildkompositionen, die sich apathisch in die Dissonanz recken, ehe sie ihre Autonomie verteidigen. Ein halber Vorhang sinkt manipulierend ins allgemeine Blickfeld und hebt sich wieder hinweg. Am Ende steht die große Paar-Pose der Ballettkunst zur Disposition, wenn der Tänzer seine Ballerina nur noch kopfunter in die Höhe stemmen und dort – die Musik hat schon aufgegeben – bis zum Blackout halten kann.
Von den populären Handlungsballetten, die der Montero-Compagnie in Nürnberg den großen Durchbruch brachten, ist dieses Uraufführungs-Doppel weit entfernt. Es wurde dennoch einhellig gefeiert. Ein Versprechen für die Zukunft.
