Catherine Franco zeichnet als Ottilie sehr schön die scheue Besucherin, die der hier waltenden Freiheit innerlich fremd gegenübersteht. Anrührend, wie sie im letzten Pas de deux mit Eduard den eher traurigen Widerpart gibt, zusehends teilnahmslos wird und zuletzt tot niedersinkt: Es gibt offenbar Elemente, die in solchen chemischen Wahlverwandtschaften aufgezehrt werden. Auch die Beziehung von Charlotte (Cássia Lopes) und Otto (Patrick Michael Doe) misslingt. Vermutlich sind Menschen, eben weil sie Emotionen haben, solchen Experimenten nicht gewachsen. Ob Matthias Fischer-Dieskau deshalb den zentralen Bühnenhintergrund leer und düster lässt, als würden die Figuren jeden Moment in ein schwarzes Loch aufgesogen?
Immerhin sorgt Mannes mit den lustig volkstümlich-männlichen, sich entsprechend kratzenden Gärtnern zunächst auch für heitere Elemente auf der Spielwiese. Die auf dem Tisch zur Schau gestellte freie Erotik von Graf und Baronin gerät zu plakativ. Mannes‘ stilistische Vielfalt und die gelungenen Tableaux geben diesen „Wahlverwandtschaften“ eine gute Versuchsgrundlage, der noch stärkere individualisierende Emotion guttäte.
