Auf die dramatisch-impulsive Kreation des Nachwuchschoreographen Demis Volpi und eine solide Arbeit von Mark McClain folgt dann als unbestrittenes Highlight des Abends Young Soon Hues „Contrast“. Die international arbeitende, aus Korea stammende Choreographin hat es im Mai letzten Jahres am US-amerikanischen Tulsa-Ballett (Oklahoma) uraufgeführt, und es ist wahrlich als Glück zu bezeichnen, dass nun in Coburg die Deutschland-Premiere der Choreographie gefeiert wurde. Inspiriert durch zahlreiche Flughafenaufenthalte überall auf der Welt, entführt Young Soon Hue in ihrer Kreation das Publikum in eine Wartehalle mit Stewardessen, Geschäftsleuten, gestresst eilenden oder im Sitzen einschlafenden, sich verabschiedenden oder wieder aufeinandertreffenden Fluggästen. Das Ensemble trägt in der ersten Hälfte noch die passenden Kostüme, Stühle werden wie Gepäck im geschäftigen Treiben hin und hergezogen. Im zweiten Teil dann blickt die Choreographie, kontrastreich wie es der Titel verspricht, hinter die Fassaden der Menschen, hinter das oberflächlich Fassbare. Die naturalistischen Kleider sind verschwunden, die Tänzer und Tänzerinnen tragen nur noch hautfarbene, knappe Stoffe, sodass auch am Kostüm (ebenfalls Youn-Soon Hue) deutlich wird: Es geht um innere Vorgänge, Gefühle, und der Mensch tritt hinter der Fassade hervor. Anstatt aneinander vorbeizulaufen, tanzt das Ensemble nun zärtlich und dynamisch miteinander, manches Pas de deux wirkt fast verträumt. Und es erklären sich Vorgänge, über die man der ersten Hälfte rätselt: Die Konkurrenz zweier Stewardessen beispielweise, die offenbar denselben Mann lieben. Während im ersten Teil noch die minimalistische Musik von John Adams („The Chairman Dances“ aus der Oper „Nixon in China“) einen schnellen, fast jagenden Puls vorgibt, wird mit Alva Notos und Ryuichi Sakamotos „Uoon1“ nun auch die Musik deutlich atmosphärischer und ruhiger. „Contrast“ hebt sich nicht nur inhaltlich von den beiden anderen Kreationen ab, das Stück ist auch qualitativ auf einer anderen Ebene anzusiedeln: Es begeistert durch ein sehr vielfältiges, intellektuelles Bewegungsrepertoire und ein stimmiges Bühnen- und Lichtkonzept. Viel Anerkennung verdient auch die Arbeit des Ensembles – scheinbar mühelos gelingt es den Tänzern und Tänzerinnen, sich auf alle drei choreographischen Handschriften einlassen. Young Soon Hues Arbeit lohnt eine Fahrt nach Coburg – umso bedauerlicher daher, dass das Parkett am Premierenabend nur etwa zur Hälfte gefüllt war. Die Anwesenden feierten im Applaus alle drei Kreationen, wobei die Arbeit Young Soon Hues mit Abstand die stürmischste Begeisterung hervorrief.
