Dieser Wechsel der Stimmungen, der Atmosphäre, der Klänge macht diesen Abend aus, in dem auf kleine, vorsichtige Schritte kraftvolle Bewegungen folgen, sich die Gruppe der Tänzer aber auch niederlegt, quer über die Bühne rollt, sich wieder erhebt. Manchmal läuft die Choreographie Gefahr, die Musik bloß zu illustrieren, meist aber sind die Szenen der vielen und der einzelnen sehr stimmig. Den mächtigen Schlusschor Mendelssohns hat Schröder in die Mitte des Stückes geholt, „Alles was Odem hat“ tanzen die Herren, „Lobe den Herrn“ die Damen des Balletts, um sich dann mit Poulencs „Aussi bas que le silence“ wieder dem Zweifel an der Existenz Gottes zuzuwenden.
Die Sänger (Olena Tokar und Magdalena Hinterdobler, Sopran; Martin Petzold, Tenor) bleiben unsichtbar in der Gasse, so dass ihr wunderbarer Gesang wie vom Himmel zu fallen scheint. Viel zur dichten Atmosphäre des Abends tragen auch das Gewandhausorchester unter Christoph Gedschold und vor allem der exzellente Chor (Einstudierung Alessandro Zuppardo, Jugendchor Sophie Bauer) bei. Sie malen Trauer und Hoffnung, Verzweiflung und Lobpreisung so präzise wie vielschichtig. Und nach diesem Wechsel der Gefühle endet der 90minütige Abend nicht mit dem Lobgesang, aber doch – auch tänzerisch – mit dem Streben nach Freiheit, mit Francis Poulencs „Liberté“.
