Überhaupt rollt die oft laute „Berliner“ Ästhetik mit improvisatorischen, die Figuren durchbrechenden Einlagen, viel Berlinerisch und komisch dagegen gesetztem Schwäbisch, zunehmend eigenwillig über die Vorlage hinweg. Raabes Text wirkt weniger als Widerpart für eine szenische Auseinandersetzung, sondern eher als Sprungbrett für ganz eigene Ideen. Nach über zwei Stunden Spieldauer folgt, nach einer längeren Pause, dann ein kurzes Nachspiel. Martin Eder hat nun in seinem ersten Bühnenbild eine Installation mit stummen Schauspielern gebaut – der erste Teil spielt hinter einem Graben vor einer großen grauen Betonwand mit einem riesigen, runden Loch, das durch einen riesigen Ventilator abgeschlossen wird. Nun erhebt sich eine Art Müllkugel aus einer Wasserfläche; darin stehen die Darsteller zuversichtlich in die Zukunft blickend, und der tote Müller steigt zum Ende aus dem Graben zum Gesang von „Ich bin tot, das ist gut.“
Dieses Abschlussbild wirkt ambivalent – als ein Idyll der Zerstörung. Passend dazu der zuvor immer wieder eingespielte Song: „I don’t care. I love it.“ Diese Menschen wollen die Zerstörung. Für einen sentimentalen Müller, einen Autor mit zarten Zwischentönen, dessen Hauptfigur ein Müllerssohn mit humanistischer Bildung ist, bleibt da kein Platz. Starkes und streitbares Theater.
