Ein Darsteller steht auf dem Sprungbrett, über die Knie gebeugt, bereit ins Wasser zu springen.

Herrliche Wasserscheu

Stefan Neugebauer: Nichtschwimmer

Theater:Theater Naumburg, Premiere:05.06.2026Regie:Stefan Neugebauer

Am Theater Naumburg inszeniert Stefan Neugebauer seinen eigenen Text „Nichtschwimmer“. Die Sommerkomödie besticht durch Charme, Witz und Nähe zum Publikum.

„Schwimmbereit!“ Mit rauem Befehlston dirigiert die Schwimmlehrerin die vier Nichtschwimmer. Das hat sie so von ihrer DDR-Mutter gelernt, die den gleichen Beruf ausübte. In orangefarbenem Trainingsanzug und Klappsband mit Hammer-und-Zirkel-Emblem herrscht sie über das Schwimmerbecken, worin das Publikum Platz genommen hat. Ihre preußische Disziplin kollidiert alsbald mit österreichischem Charme, als ihr ein Wiener Psychologe in beige-wattierter Trainingsklamotte zur Seite gestellt wird. Und die explosive Mischung in dieser ersten Schwimmstunde zündet. Als ansehnliche Sommertheater-Farce hat Regisseur Stefan Neugebauer seinen Text „Nichtschwimmer“ in Naumburg inszeniert.

Schwimmbad in Mittelalterkulisse

Die in einem mittelalterlichen Stadttor aufgebaute Bühne verfügt über eine zentrale Podestinsel und einen Steg. Das Publikum sitzt ringsherum, ergo im Wasser. „Fürchten Sie sich nicht, im Wasser zu sitzen?“, fragt eingangs der Psychologe mit Schmäh. Die Tatsache, dass man dicht an der Bühne sitzt, sowie direkte Ansprachen des Publikums schaffen sogleich Nähe. Das macht den Reiz der Klamotte aus, die sich dicht vor den Zuschauenden entfaltet. Natürlich sind alle vier Nichtschwimmer drollige Figuren, die spielerisch gekonnt gezeichnet werden. Keine davon ist bloße Karikatur oder wird ausgestellt. Wärme bestimmt trotz aller Turbulenzen den Grundton der Inszenierung.

Im Hintergrund sitzt das Publikum. Vorne macht sich ein Darsteller bereit für den Sprung in das (fiktive) Wasser. Auf seinem Rücken lehnt eine Darstellerin, versucht ihm Mut zu machen.

Schwimmtraining im Theater. Foto: Torsten Biel

Ein altkluger Influencer – Peter Fieselers weltmännisches Lächeln ist stets gewinnend – geht seiner fluiden Urangst auf den Grund. Da ist ein Sportlehrer, der nicht schwimmen kann, dem Leonard Wollner in vollem Testosteronpanzer mit Hüftschwung und Gesangseinlagen gibt. Ira Theofanidis‘ verträumt-verbimmelte Schauspielerin will sich wahlweise in Ophelia oder Miranda einfühlen, darf aber auch in Titanicpose die Blicke auf sich ziehen. Seinen stotternden Kleinstadtneurotiker spielt Robert Will fast zärtlich, sodass der Looser sofort zum Sympathieträger wird. Damit, wie sie ihrer Schwimmlehrerin allmählich alle strengen Züge entfallen lässt, weiß Ruth Weingarten zu überzeugen. Bis zum Glitzern in den Augen sieht man ihr den zunehmenden Kontrollverlust in Mimik und Gestik an. Ihre stramm stehende Figur spannt bald vor Verzweiflung jede Muskelfaser an. Bis sie sich doch nicht gegen Amor erwehren kann und an weichen Zügen gewinnt.

Humortheater, vor dem niemand Angst haben muss

Selbstverständlich endet das Stück mit einem Happy-End, das ist nicht zu viel verraten. Jedes Deckelchen findet sein Töpfchen. Auch der wie ein Conferencier wirkende Psychologe – Matthias Herrmann gibt ihn fast spitzbübisch, voll leiser Ironie – bleibt nicht allein. Das Spiel trägt dank gutem Timing. Der Humor zündet auf mehreren Ebenen. Die Wortspiele und Missverständnisse, die sich aus dem Schwimmlehrerin-Namen Uschi Benis ergeben, liegen auf der Hand. Aber es werden auch Lenin und Shakespeare herangezogen fürs bunte Potpourri. Das überzeugt als konsequent durchgezogene Komödie, als Theater, vor dem niemand Angst haben muss. Es sei denn vor dem Wasser, das Petrus von oben entsenden könnte.