Anfangs verlieren sich die Schauspieler in langatmigem Setgeplänkel. Die Koketterie der Künstler nervt. Als sich jedoch Dahlia, die im Film die geschlagene Studentin spielt, ihre Burka vom Leib reißt, geht es um nackte Existenzfragen. Marsha Zimmermann schreit heraus, wie schmerzlich das Leben zwischen den Welten für sie als Palästinenserin ist. Verstärkt geht sie auf Distanz zur Rolle. In Paul Lerchbaumers eine Spur zu chaotischem Bühnenraum, in dessen letztem Winkel ein Plakat des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu hängt, zerstört die Kamera die Fassade der Filmmenschen. Angstvolle Blicke und verzweifelte Gesten stellt die Großleinwand zur Schau. Rashida Aljunied verkörpert die reale Samira, deren reale Geschichte in kurzen Sequenzen zwischen dem Drehbuch aufflackert. So lässt sie die Maske der Medienmacher verrutschen. Lichter und Klänge spitzen die Szenen sinnlich zu. Bomben und Kugelhagel sind zu hören. Die Schauspieler, teilweise mit Migrationshintergrund, setzen auf starke Gefühle. Sobols intelligenter Text holt sie auf den Boden des politischen Theaters zurück. „Wie kann eine Schlägerei mit einem Tanz enden?“ fragt Yitzhak, der im Film einen Clown verkörpert. Dass sie das kann, beweist Sobols künstlerische Philosophie. Und die erfasst Langner mit seinem soliden Regiestil, der Leichtigkeit und Tiefe verbindet.
